Die Anfänge einer Band sind zumeist wenig glorreich. Als MR. IRISH BASTARD 2006 antraten, die Welt mit schnell getakteten und hochprozentigen Hymnen positiv zu erschüttern, waren die  Bühnen so klein, dass die Hälfte der musikalischen Überzeugungstäter hinten runterfiel. Heute, drei Studioalben und gute 700 Konzerte später, die sie unter anderem bis nach China, Japan und auf sattsam Platz bietende Festivalbühnen neben The Pogues, Flogging Molly, Dropkick Murphys und The Levellers führten, ist die Truppe längst eine international gefeierte Folk-Punk-Instanz geworden.  Mit ihrem neuen Album  „The Desire For Revenge“, starten MR. IRISH BASTARD mit der Energie von frischentzückten Musikverrückten ins zweite Jahrzehnt ihres Bestehens.

Aber auch mit dem Drang, neue Details ihres Klangkörpers zu beleuchten. „The Desire For Revenge“ ist Standortbestimmung, Fortsetzung, Neubeginn und Reflexion zugleich. „The Soundtrack Of My Life“ empfiehlt sich nicht nur als zündungsfertiger Live-Knaller, sondern ist aus der Feder des irischen Sängers, Gitarristen und Band-Gründer Mr. Irish Bastard durchaus autobiografisch zu verstehen. „Phoenix“ schlägt mit seinem „All that I am…“-Refrain ähnliche Töne an, trägt den Sound aber mit der Geige als Orchestrierungsmerkmal auf selbsterklärend-kompromissloses Pop-Neuland für MR. IRISH BASTARD.

Man könnte im neuen Album die Anleitung zum Idealismus finden, wenn man unbedingt nach einem Hinweis auf den Status Quo des Punkrock suchen muss, dem die DNA der Irish Folk Music längst mit dem Stolz des Verliebten ins Blut übergegangen ist. Selbstverständlich bedienen MR. IRISH BASTARD auf „The Desire For Revenge“ nicht die Unsitte, einen Chart-Hit im Folk-Punk-Stil zu spielen. Dafür ist ihr Mitteilungsdrang in den neuen Eigenkompositionen viel zu überbordend. Und wenn doch mal in die Cover-Kiste gegriffen wird, dann nur als wahlweise sublime oder knallharte Parodie. Aber das ist eine Live-Geschichte…

„The Desire For Revenge“ spielt nicht unter grellem Neonlicht. Es sind die sattgrünen Meadows der Freilicht-Venues, es ist die buchstäbliche Schlammschlacht auf dem Wacken-Open-Air-Gelände oder es ist das Dunkel einer Konzerthalle, in der die augenzwinkernden, textlichen Verdreher ihren Charme vortrefflich entfalten. Die Songs erzählen Geschichten von Underdogs, von Gesetzlosen und Charakteren, die nach ihren eigenen Gesetzen leben und dafür bisweilen sogar nach dem Tod getötet werden. Wie Oliver Cromwell, der englische Landprotektor, den man drei Jahre nach seinem Tod exhumierte, um seinen Leichnam posthum symbolisch nochmal hinzurichten.

Wenn Rache einen Klang besitzt, dann besetzen MR. IRISH BASTARD ihn so energetisch, dass sie phonstark den Schaum vom Pint jagen ohne das Glas zu berühren. Da ist es fast logisch, dass der Tag des Blauen Auges aufgegriffen wird, der „Black Eye Friday“, jener letzte Freitag vor Weihnachten, an dem statistisch gesehen die meisten Prügeleien im Vereinigten Königreich stattfinden. Der Protagonist des Songs legt eine heldenhafte Tragik an den Tag, die in ihrer schnellen Taktung dahin einlädt, wo sie hingehört, in den Moshpit.

Trotz brutal-hinterlistiger Gangster-Konventionen vereitelt „Mike Malloy“ seine eigene Tötung, während „Darlinka (Darling Karlinka)“ in elektrisierender Ska-Polka, sogar das Herz eines standhaften Trinkers bricht. „I only wanted you or someone very like you“ singt Mr. Irish Bastard in gewohnt eindringlicher Weise, die immer ein bisschen so klingt, als ob ihm der Allmächtige auf der Spur wäre. Und man wähnt sich beinahe beim Lauschen einer romantischen Ansage. Bis der Refrain erklingt: „I Only Like You When I’m Drunk“.

Es sind diese Twists und Brüche, es ist das Flirten mit dunklen Seite der Macht, das „The Desire For Revenge“ mehrwertig gestaltet. Leicht unterscheidbar von der reinen Party-, Rauf- und Sauflied-Fährte, mit der Irish Folk gemeinhin assoziiert wird, ist MR. IRISH BASTARD ohnehin. Hier wird nicht alles aufs Saufen reduziert. Whiskey schmeckt schließlich auch im Kaffee…

„The Desire For Revenge“ wurde vom festen Stamm der Band aufgenommen: Mr. Irish Bastard, Gran.E.Smith (Mandoline, Banjo, Bouzouki), Beouf Strongenuff (Bass) und Schlagzeuger Ivo K’Nivo. Zu den so genannten „Travelling Bastards“, die in wechselnder Konstellation live dazu stoßen, schauten diesmal im Studio auch die Gitarristen P und Moe Leicester, B.B. am Akkordeon und die Tin Whistle-Expertin Kate vorbei.

Eine neue Dimension im Klang addieren die Geigerinnen Laura Zimmermann und Mona Kaczmarczyk. „Die Geige ist eine neue Klangfarbe in unserem Sound und transportiert Emotionen, die bislang bei uns keine offensichtlichen Rollen spielten“, erklärt Mr. Irish Bastard. “Wir zelebrieren und definieren auf dem neuen Album unsere bisherige Geschichte als Band. Gleichzeitig verfeinern wir unseren Sound aber auch, denn nur wer sich verändert, bleibt sich letztendlich treu und bleibt auch seinen Zuhörern gegenüber ehrlich. Kurz gesagt, bleiben die Sehnsüchte, wie in jeder Folk-Deutung, überall auf der Welt, die Gleichen. Menschen brauchen alle das Gleiche, Freunde, etwas zu trinken und zu essen, Liebe. Und manche“, lacht er, „lüstern hin und wieder auch nach Rache, Vergeltung, Schuld und Sühne. ‚The Desire For Revenge‘ könnte deren Platte werden.“

Website: hhttp://www.mririshbastard.com/

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